Nach schneller Hilfe kommt nun die nachhaltige Hilfe

Nachdem wir in den letzten Tagen vor Ort in den Dörfern Nahrung, Kleidung und Medikamente ausgeteilt haben, konzentrieren wir uns jetzt darauf langfristig zu denken und zu planen. Die Versorgung durch die nationalen- und internationalen Hilfsorganisationen steht weitgehend und der Verteilungskampf ist teilweise erbittert. Hilfsgütertransporte werden unterwegs ausgeraubt, Leute kämpfen um die Nahrungsmittel, andere horten was sie kriegen können…. Das Land ist korrupt bis in den letzten Winkel, leider. Von daher sind wir wirklich sehr bedacht unsere Ressourcen nicht mit der Giesskanne zu streuen sondern ganz gezielt denjenigen zukommen zu lassen, von denen wir sicher sind, dass sie sie brauchen und auch bekommen. Hier habe ich vollstes Vertrauen in Gokul und Prakriti, die hier in den wenigen Tagen echt Berge versetzt haben um schnell und unkompliziert zu helfen.

Inzwischen finden unsere erfolgreichen Aktionen auch Resonanz in den Medien. Nachdem das italienische Fernsehn berichtet hat, gibt es z.B. einen Bericht in der Rheinischen Post und in der Neuen Westfälischen.

Vor allem unser Medizinstation war sehr erfolgreich. Wir planen das in den nächsten 12 Monaten auf regelmäßiger Basis weiterzuführen und auch mit Psychologen zu arbeiten, um die traumatisierten Menschen aufzufangen. Mit Essen dürften inzwischen die meisten Regionen versorgt sein. Ausserdem haben wir hier Frühling mit dem Unterschied zu Deutschland, dass bereits geerntet werden kann. Obst und Gemüse steht zur Verfügung.

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Und wir konzentrieren uns wieder darauf, unser Social Business Shakti Milan Bags auszubauen.

Wir unterstützen gerade ein Ehepaar aus der Unberührbaren-Kaste, die durch einen Brand in ihrem Dorf alles verloren haben. In der Hoffnung auf einen Neuanfang sind sie nach Kathmandu gekommen; um dort vom Erdbeben erwischt zu werden. Die beiden haben nicht mehr, als das, was sie am Leib tragen und wir helfen mit Nahrung, Kleidung und Unterkunft. Der Mann Mahendra kann auch nähen. Wir prüfen gerade, ob wir ihn in unser Team mit aufnehmen können, obwohl er nicht in unsere Zielgruppe von bedürftigen Frauen passt. Aber wir wollen nicht diskriminieren und er ist definitiv in einer schwierigen Situation.

Gemeinsam mit Sunita entwickeln wir gerade neue Produkte, die wir dann hoffentlich schnell auch auf den Markt bringen können. Denn wir sind überzeugt, eine langfristige Unterstützung kann nur durch eine Beschäftigungsmöglichkeit mit regelmäßigem Einkommen erreicht werden. Und daran arbeiten wir jetzt.

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Auch die Zusammenarbeit mit einem neuen Team haben wir wieder aufgenommen.

Prakriti und ich sind durch die zerstörte Stadt nach Patan gefahren, um dort mit den Dharka Damen weiter zu arbeiten. Das ist ein ganz kleiner Familienbetrieb, in dem Frauen wunderschöne Schals mit der Hand und auf antiken Webstühlen weben. Sie sind sehr fleissig, leben aber auch von der Hand in den Mund. Vielleicht gelingt es uns gemeinsam mit ihnen ein Muster zu entwickeln, das wir dann auch in einiger Zeit in unsere Kollektion aufnehmen können. Damit hätten sie eine echte Chance mit ihrem Handwerk zu überleben und Shakti Milan Bags kann seine Produktpalette sinnvoll erweitern.

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Die Situation in Kathmandu normalisiert sich langsam. Es gibt Lebensmittel, die Geschäfte öffnen wieder, Wasser scheint zumindest in dem Bezirk in dem ich wohne kein Problem zu sein. Weite Teile der Stadt sehen so aus, als wenn nichts gewesen wäre. Chaotisch und dreckig war es auch schon vorher. Aber die Beben hören nicht auf. Auch gestern hatten wir wieder ein Beben der Stärke 5. Die Altstadt mit den vielen instabilen und zerstörten Häusern meiden wir lieber, denn mit jedem Beben drohen die wackeligen alten Häuser zusammen zu brechen. Für die Besorgung von unseren Nähmaterialen ist das wirklich schlecht, denn die meisten Sachen, die wir jetzt benötigen gibt es nur da. Aber wir wären nicht in Nepal, wenn wir nicht einen Weg finden würden.

Das Land wird noch sehr lange brauchen, bis diese Naturkatastrophe überstanden ist. Die Regenzeit ist im Anmarsch. Damit drohen die durch das Beben destabilisierten Terrassenhänge abzurutschen. Weitere Erdrutsche werden erwartet. Die Krankheiten, hervorgerufen durch schlechtes Trinkwasser, infizierte und nicht versorgte Schnittwunden und das Überleben im Freien ohne Dach über dem Kopf, werden in den nächsten Monaten noch einige Menschenleben fordern. Die Menschen sind den Launen der Natur hier hautnah ausgeliefert. Zudem kommt noch eine unfähige Regierung, viel Politik und ein weitgehend korruptes System. Ein Einnahmezweig, der Tourismus, ist weitgehend weggebrochen und lässt viele Guides und Träger ohne Arbeit zurück. Und trotzdem ist dieses kleine Land wunderschön und hat eine ganz einzigartige Kultur und Menschen mit ganz großen Herzen. Und ich bin sehr stolz darauf mittlerweile ein Familienmitglied einer ganz besonderen Familie geworden zu sein. Menschen wir Gokul und Prakriti sind einzigartig.

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