Unser Raum soll schöner werden

Der Astrologe hat gesagt, dass Mittwoch und Freitag gute Tage für mich sind. Donnerstage dagegen sind nicht meine besten Tage. Leider hatte ich das vergessen als wir den Termin für die Verschönerungsaktion des Nähraumes für heute (Donnerstag) geplant hatten.

Guten Mutes brechen Maria und ich am Morgen ins HIV Krisenzentrum auf. Auf dem Dach im Hause Subedi haben wir noch Pinsel und Farbrollen gefunden und das schleppen wir alles im Micro-Bus ins Krisenzentrum. Prakriti kommt mit der gekauften Farbe auf dem Scooter nach.

Nach einem kurzen Hallo beginnen Maria und ich direkt mit Deutsch-Österreichischer Effizienz den Raum auszuräumen und die vergilbten Poster von der Wand zu hängen. Wir wollen schließlich heute noch fertig werden. Einige der Bewohnerinnen schauen neugierig hinein, aber wir können uns nicht wirklich gut verständigen. Gut, dass Prakriti ein paar Minuten später kommt. Ich bitte sie zu übersetzen, denn wir können Hilfe von den Frauen gebrauchen. Es ist alles super dreckig und die Vorhänge müssen auch dringend gewaschen werden.

Wir hatten die Aktion schon lange im Voraus als eine Art Teamevent für unser Nähteam angekündigt. Gemeinsam, so war der Plan, wollten wir den Raum schön gestalten, damit die Damen in einer netten Umgebung unsere Taschen nähen können. Prakriti kommt mit schlechten Nachrichten zurück. Anscheinend sind heute die meisten Frauen zum Gesundheitscheck im Krankenhaus und kommen erst am Nachmittag wieder. Nur Mina ist da, aber sie möchte nicht mitarbeiten, da sie zu müde ist. Goma ist im Meeting und nicht zu erreichen. Ich atme ein und aus und denke, dass das wieder mal ein typischer Fall von Nepalesischer Misskommunikation ist. Wie können wir erst jetzt erfahren, dass heute die Frauen nicht da sind, wenn wir seit Tagen diesen Termin vorbereiten? Aaargh!

Was sollen wir tun? Wir legen selbst Hand an und fangen an zu streichen. Zumindest eine fleißige Helferin haben wir. Die keine Swastika. Sie ist höchstens 7 Jahre, aber es stellt sich raus, dass sie von allen Bewohnerinnen des Krisenzentrums an diesem Tag die Zuverlässigste und Fleißigste ist. Maria pinselt unermüdlich die Ecken und Kanten. Prakriti und ich rollern die grossen Flächen. Es ist ein Genuss neue, frische Farbe über die versifften Wände zu streichen. Auch als die Vorhänge weg sind sieht der Raum gleich viel einladender aus.

DSC02565 DSC02566 IMG_2751 DSC02570Dann müssen wir einen Schrank verrücken. Er ist super schwer und uns bleibt nichts anderes übrig als ihn teilweise auszuräumen. Zum Vorschein kommen 2 Wannen mit Geschirr und Kochtöpfen, zum Teil nagelneu, und ein Sack mit Kinderspielzeug. Das ist das traurige Ende von gutgemeinten Sachspenden früherer Volontäre. Anstatt die Dinge in Gebrauch zu nehmen oder wenigstens weiterzugeben verrotten die Sachen in einem Schrank im Empfangszimmer. Wahrscheinlich weiß gar keiner mehr, dass es diese Sachen überhaupt gibt. Und Kinderspielzeug ist eben auch so eine Sache… dafür muss man sich mit den Kindern auseinandersetzten, mit ihnen spielen, sich mit ihnen beschäftigen… dass passiert so in dieser Form in Nepals Unterschicht eher selten.

Während wir mit lauter Musik und viel Gelächter ans Werk gehen, schauen einige Frauen immer mal wieder neugierig vorbei. Die wiederholte Aufforderung zu Helfen wird immer ignoriert. Am Nachmittag kommt Goma und wir bitten sie die Damen zur Unterstützung zu animieren. Sie sagt, erst essen wir, dann essen die Damen und dann packen wir alle zusammen an. In meiner naiven Vorstellung dachte ich, wir gehen in die Küche und bekommen etwas zu essen. Aber stattdessen bekommen wir Drei ein Tablett mit Reisflocken und Bohnencurry direkt ins Malerchaos gestellt. Nett! Die Reisflocken werden immer mehr im Mund und lachend erklärt Prakriti den Trick. Mann muss sie schnell essen, damit sie nicht im Mund sondern im Magen aufquellen. Dann wäre man ganz schnell satt. Lecker!!

Und dann passiert wirklich etwas. Die Damen kommen allesamt herunter. Sofort fallen mir ein paar Sachen ein, die sie tun können. Die Stühle abwaschen z.B. Nachdem ein halber Stuhl mit einem feuchten Tuch gewischt wurde entdecke ich, dass das keine Wirkung hat. Ich erkläre, sie müssten Seife und einen Schwamm verwenden, sonst gingen die Farbspritzer nicht ab. Beim nächsten mal Gucken war dann nur noch die kleine Swastika am schrubben. Aber das mit Ausdauer und Hingabe. Sie hat alle Farbspritzer abgekratzt.

Irgendwann ist mir das Foto des Tages gelungen. Und wir mussten alle laut lachen. Maria, Prakriti, Goma und ich fleissig am arbeiten und draussen vor dem Fenster ein Pulk von Frauen die neugierig zuschauen. Irgendwas läuft hier mächtig schief. Das war uns allen klar.

Den Raum haben wir aber gut hingekriegt. Nach gut 7 Stunden ununterbrochener Arbeit haben wir alle Wände in den Farben des neuen Shakti Milan Logos gestrichen und das mit vorsintflutlichen Methoden. Um eine Linie zu ziehen verwendet man hier nicht etwa Kreppband, sondern eine Kordel, die in Tinte getaucht wird und dann an die Wand gefletscht wird. Toll. Die Tinte an meinen Fingern hält sicher noch ein paar Tage.

Am Montag, so kündige ich an, komme ich wieder und bis dahin muss das Ungetüm von Schrank und der Schreibtisch aus dem Nähzimmer verschwunden sein. Und die Kochtöpfe und Spielsachen müssen dann auch woanders wohnen. Ich denke mal, denn ist es auch höchste Zeit für eine Feedbackrunde, denn mit dem heute gezeigten Engagement können wir das Taschenprojekt nicht erfolgreich betreiben. Meine Damen: das war keine Glanzleistung und vom Dreamteam sind wir gerade mal Meilen entfernt.

Abends kommt dann Mirjam von ihrem Ausflug ins Dorf zurück. Sie hat einen Jungen aus dem Transitional Home zurück zu seiner Familie begleitet und war 5 Tage unterwegs. Gemeinsam trinken wir eine Flasche Wein in unserer Volontier-Etage und fallen erschöpft ins Bett. Ich freue mich sehr auf die nächsten 2 Tage im Kloster und damit eine kurze Denk- und Schaffenspause.

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