Dunkle Wolken am Himmel

Heute ist so ein Tag an dem wir uns mal wieder kräftig Rückwärts bewegen.

Am Morgen versuchen wir neue Reissackquellen aufzutun. Unser Lieblingsmotiv ist selten und dementsprechend ist es schwierig das in größeren Mengen zu bekommen. Die anderen Reissäcke sind leider echt langweilig, nicht so lustig und bunt wie in Kambodscha.

Dann kaufen erst mal wieder ein. Farbe und weitere Nähutensilien um morgen den Raum in den Farben des neuen Logos anzumalen und schön zu gestalten. Schließlich sollen die Frauen sich auch wohlfühlen, wenn sie bald viele Stunden in dem Raum verbringen.

Am Nachmittag treffen wir uns mit Rishu im Krisenzentrum um eine weitere Tasche zu nähen. Während Rishu loslegt versuchen Prakriti und ich uns an einer weiteren Version der Häkelkörbchen. Diesmal mit Flechttechnik und als Grundmaterial Reissack. Davon haben wir schließlich eine ganze Menge ;-).

Während wir 3 Frauen so vor uns hin basteln und Prakriti und Rishu im Gespräch vertieft sind, stellt sich heraus, das Rishu leider keine Zeit mehr in des Tasche-Projekt investieren kann. Sie muss noch ihren College-Abschluss machen und hat gerade ihr eigenes Nähbusiness gestartet, was ihre ganze Zeit beansprucht. Sie sagt es zwar nicht direkt, aber zwischen den Zeilen kommt ganz klar heraus, dass sie uns nicht weiter helfen kann. Irgendwie waren am Anfang die Erwartungshaltungen mal wieder nicht klar kommuniziert und sie ist davon ausgegangen, dass wir sie nur für 3 Tage brauchen.

Das ist ein echtes Problem, denn ohne sie können wir unsere Aufträge nicht erfüllen. Die anderen Ladies sind noch nicht so weit. Sie können höchstens zuarbeiten.

Und es ist auch kein Ersatz für Rishu in Sicht. Das ist das Problem in Nepal. Es gibt nur sehr wenig qualifizierte Leute und die wenigen haben dann auch gleich jede Menge zu tun. Aber ohne qualifizierte Leute können wir das Taschen-Projekt nicht am Leben halten. Auch Prakriti ist noch im Bewerbungsprozess für eine Position in der Bank und in den nächsten Monaten wird sehr wahrscheinlich auch sie ein Angebot bekommen.

Ohne Leute wie Prakriti und Rishu haben die anderen Frauen keine Chance. Sie sind nicht in der Lage sich selbst zu organisieren. Immer wenn wir nicht im Zentrum sind ist der Raum mit der Maschine verwaist. Sie gehen nicht von selber an die Maschine um zu üben oder auch einfach um sich selbst Sachen zu nähen. Obwohl wir mittlerweile wirklich viele Übungsmaterialen angeschafft haben, die sie verarbeiten könnten. Warum auch immer, es gibt sehr wenig Eigeninitiative und Kreativität. Um sich ihren Lebensunterhalt in dem Taschen-Projekt verdienen zu können brauchen die Frauen jemanden der sie anleitet, strukturiert und antreibt. Nur mit einer Nähmaschine, Schnitten und ersten Bestellungen ist es nicht getan.

Eigentlich ist dies meine letzte Woche im Taschenprojekt und bis heute morgen hatte ich noch das Gefühl dass alles gut aufgesetzt, in lokale Hände übergeben und die nächsten Schritte klar definiert sind. Die Gestaltung des Raumes sollte so etwas wie ein Abschiedsgeschenk sein, bevor ich mich dann auf die Vermarktung der Taschen konzentrieren wollte. Und jetzt? Haben wir die Farbe für den Raum zu früh gekauft? Werden wir einen neuen Designer und Trainer finden?

Die Tasche, die wir jedenfalls heute nähen sieht toll aus. Es wird hoffentlich nicht unsere letzte sein.

Am Abend in der Küche sitzen Prakriti, Gokul und ich zu einer Krisenbesprechung zusammen und überlegen, was zu tun ist. Aber ich bin sicher, uns fällt was ein und auch diese kleine Krise nützt uns im Endeffekt.

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