Pokhara – Gorkha – Arughat Bazar – Arkhet Bazar

Es geht los. 7 Uhr in der Früh. Ein kleines Stück auf der Landkarte aber ein langer Ritt im Bus. Das erste Stück von Pokhara nach Gorkha wollen wir mit einem Localbus bewältigen. Also geht es mit dem Taxi zum Localbus Sammelpunkt und die Suche nach dem richtigen Bus geht los. Anscheinend ist gerade einer weg und so bleiben wir beim nächsten stehen. Dieser soll gegen 8 Uhr fahren, wird aber nicht voll, also warten wir noch und holen uns Glück für die Fahrt von einer vorbeikommenden freilaufenden heiligen Kuh. Irgendwann müssen wir dann doch mal los und halten dann aber auch bei jedem Menschen, der am Straßenrand steht und fragen, ob er nicht doch nach Gorkha will. Nach und nach füllt sich der Bus samt Fischen und Hühnern, aber auch heute ohne Ziegen.

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IMG_4296Angekommen in der Königsstadt Gorkha (109km in 4h) erstmal große Ernüchterung. Irgendwo an einer eher hässlichen Hauptstraße steigen wir aus und müssen samt Gepäck 100m in eine Seitenstraße zum hiesigen Hinterland-Localbus-Sammelhalt marschieren. Kerstin und ich müssen endlich mal auf Toilette und Sidi setzt uns in eine kleine Wellblechhütte am Platz auch fürs Mittagessen. Nachdem die Toilette untragbar ist, wechseln wir in ein anderes kleines Lokal. Hier ist der Opa des Hauses so von mir beeindruckt, dass er das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommt. Lecker ist es hier und ich esse gleich noch eine zweite Portion Fried Rice.

IMG_4295 IMG_4290Kurz vor Abfahrt gehe ich nochmals auf Toilette, denn der nächste Ritt von 4h steht an. Als ich wieder herauskomme, kann ich Kerstin und Sidi nicht mehr finden und unser Gepäck auch nicht. Komisch. Der Bus, mit dem ich denke, dass wir fahren, steht aber noch da. Doch wir fahren mit einem anderen und der ist auch schon losgefahren. Kerstin hat zu unserem Guide Sidi gerufen, dass ich noch fehle und er hat den Bus angehalten und mich dann eingesammelt. Leichter gesagt als getan, denn der Bus war voll und zwar richtig voll. Ich komme noch nicht mal in die Türe rein und in Nepals Bussen herrscht die Mentalität, dass man sich sehr ungerne von seiner Position bewegt, auch wenn andere von hinten aussteigen wollen etc. Da geht niemand aus dem Bus und lässt jemand raus oder rein. Aber meine Statur kann ja auch mal zu was nutze sein und so schaufle ich mir meinen Weg frei. Doch nun wird meine Statur wieder zum Problem. Wie sagt Kerstin gerne – ich bin zu groß für dieses Land. Wie komme ich nun zwischen dem Haufen an Futtersäcken und dem niedrigen Busdach zu meinem Sitz? Irgendwie eben.

IMG_4300Dann geht es los, auch mit mir. Aus Gorkha raus und ist doch alles easy. Geteerte Straße, was haben die denn alle? Genau 12 Minuten lang und Ende Gelände und die Straße ist weg. Ab sofort, für 4 lange Stunden, alles von Sand, Schotter, Stein, Wasser bis Felsen als Untergrund, aber kein Teer mehr. Wackel-Evis hätte hier seine wahre Freude gehabt.

IMG_4302In maximal Schritttempo durchpflügen wir den Weg. Neben der Strassenbeschaffenheit waren Hühner, Hunde, Enten, Ziegen und Esel weitere nicht zu unterschätzende Hindernisse. Keine Ahnung ob da nachher nicht auch Blut an der Stoßstange klebt.

Neben mir sitzt eine Frau mit Baby, die mich immer ganz ängstlich ansieht. Ist das wegen mir oder der Fahrt? Auf jeden Fall lässt sie sich am Anfang direkt ein Kotztüte geben, die sie und ihr Kind aber zum Glück nicht benötigen.

Irgendwann sind wir dann doch tatsächlich angekommen, in Arkhet Bazaar, irgendwo nord-westlich von Gorkha. Endlich Beine und Körper ausstrecken. Kaum angekommen nach insgesamt 8h Busfahrt kommt der Knaller. Diese Möchtegern-Straße hört einfach auf, wenige Meter vorm Ort. Ein reißender Fluß trennt uns vom Ort. Da geht unser Guide Sidi ein paar Steine hoch und stolziert über … sie nennen es sicherlich Brücke. Meine Glieder sind noch dabei sich zu sortieren und zum ersten Mal mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken soll ich nun heile über diese Möchtegern-Behelfsbrücke gehen, ohne in den Fluß zu fallen.

IMG_4305Wir sind angekommen in Abenteuerland und tauchen ein in ein Dorf, wie ich es mir in Deutschland vor 200 Jahren vorstelle, mit Häusern und der Straße etc. Nur das sie natürlich früher noch keine Akku-LED-Lampen hatten. Irgendwie komme ich mir hier wie ein Ausserirdischer vor. Das Abenteuer geht weiter, aber erstmal ein Bier, bitte.

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Modernes arbeiten bei der Women Skill Development Organisation

Am nächsten Tag machen einen Ausflug nach Pokhara und betreiben wieder einmal Marktrecherche. Wir treffen in der Women Skill Development Organisation (WSDO) die Karmalaya-Kollegin Rebecca und bekommen einen Rundgang durch diese mehr als beeindruckende Organisation. Auch hier, wie bei der Filz-Lady in Kathmandu, ist es eine starke Frau, die vor 35 Jahren diese Organisation gegründet hat und auch heute noch mit viel Engagement und persönlichem Einsatz nach Außen aber insbesondere auch nach Innen zu den Mitarbeiterinnen, dabei ist. Ziel ist es Frauen auszubilden und damit in Arbeit und Lohn zu bringen. Also genau der selbe Grundsatz wie beim Taschenprojekt von Kerstin. Bei WSDO werden Baumwollstoffe natürlich eingefärbt, zu Stoffbahnen verwebt und dann in Taschen oder Tiere verwandelt. Neben eigenen Shops in Pokhara verkauft WSDO hauptsächlich ins Ausland. Das Besondere an dieser Organisation ist auch die Unternehmensstruktur. Ausbildung und wenige zentrale Funktionen wie Materialvorhaltung, Qualitätskontrolle und Designentwicklung ist vor Ort. Die Produktion findet zumeist bei den Frauen zu Hause statt, also Work-from-Home. Die Mitarbeiterinnen fertigen die jeweiligen Arbeitsschritte nach Anweisung zu Hause, um bei den Kindern zu sein und weiteren Verpflichtungen nachzukommen, oder weil aufgrund von Krankheiten und Behinderungen ein täglicher Weg zur Arbeitsstätte nicht möglich ist.

Plötzlich können wir auch die Gründerin und Inhaberin kurz treffen. Sie ist gerade auf dem Weg zu einer Veranstaltung der Stadt Pokhara und muss eben ein paar Fotos für den kommenden Katalog von sich machen lassen. Wir zeigen ihr ein paar Fotos von Kerstins Taschenprojekt und bekommen ein paar Tipps von ihr.

Mit den tollen und motivierenden Eindrücken wechseln wir unseren Standort in die Freedom Bar am Fewa-See und Essen ausnahmsweise mal nicht Reis mit Blumenkohl sondern andere Köstlichkeiten.

Zahnpaste und Waschtag

Aufgrund der verkürzten Zeiten mit Internet-Verfügbarkeiten, müssen wir die Berichterstattung nun leider ein wenig straffen. Die letzten Tage und Stunden im Kloster haben uns noch viele schöne und aufregende Momente gebracht.

Am 18. November, dem Tag unserer ersten direkteren Begegnung mit den Affen, kommt es zum Höhepunkt. Leider haben wir während des Mittagessens das Badfenster offen gelassen. Nun könnt ihr euch sicherlich denken, was passiert ist. Stimmt. Wir kommen zurück und finden ein total verwüstetes Bad vor. Zum Glück war die Tür zum Wohnraum geschlossen und so musste sich der Affe mit dem Bad begnügen. Doch kein Sieg ohne Trophäe und so stellen wir fest, dass mein Handtuch nicht mehr da war. Also macht sich Kerstin ans aufräumen und säubern und ich gehe auf die Suche nach dem Handtuch, welches ich im ersten Stock wiederfinde. Abends stellen wir noch fest, dass noch etwas fehlt, neben dem Handwaschlappen zwei Tuben Zahnpaste. Insbesondere nach dem Verzehr der Ayurveda-Zahnpaste dürfte dem Affen schlecht sein.

Doch nicht nur wir waschen uns, sondern die Mini-Mönche müssen auch mal ran. So scheint wohl Mittwoches Waschtag zu sein und eine ganze Horde Nachwuchs springt um den Wasserhahn herum und müssen sich mit sicherlich eiskaltem Wasser reinigen.

Dass hier in der Klosterschule Ordnung herrscht, können wir morgens zum Schulapell sehen. In Reih und Glied, sortiert nach Schulstufe, stehen die angehenden Mönche und starten den Tag mit einem kraftvollen Gesang. Danach geht es nacheinander, die Größten zu erst (wie im Straßenverkehr), in die Klassen. Übrigens nächste Woche ist Examen. Dann müssen alle Montag bis Samstag von 9-12h Prüfungen ablegen (auch die Kleinsten).

Und wenn wir gerade bei den Kleinen Mönchen sind. Es ist immer wieder ein nettes Schauspiel, wenn ein solcher Knirps versucht seine Kutte anzulegen. Das Falten und dann Verschnüren ist ohne Hilfe wahrscheinlich gar nicht möglich. Ständig fällt alles wieder auseinander und rutscht herunter.

Während wir uns im Kloster ausruhen und auf das Projekt im Blindendorf vorbereiten, sind die Kollegen in Kathmandu schwer aktiv. Am 19. November ist Welttag der Kinderrechte und Gokul hat mit seiner Organisation, seiner Frau und Volunteers aktiv mitdemonstriert.

Krankenzimmer mit Bergsicht

Ohne Wecker wachen wir rechtzeitig zur Zeremonie auf. Ich schaue aus dem Fenster und sehe sie endlich. Die Annapurna-Gebirgskette gehört zur der Achttausender Reihe von Gebirgen auf der Welt und war tragische Ort des verherrenden Lawinenunglücks im Oktober diesen Jahres.

Die Zeremonie muss warten, der Fotoapparat muss ran. Wer weiß, wie lange die Sicht so gut ist und die Wolken den tollen Anblick nicht wieder verdecken. Kerstin und ich ziehen uns schnell an und rauf aufs Dach für den besten Blick. Einige wenige Mönche und recht viele Besucher des Klosters gehen zur Zeremonie, doch wir schauen uns die teils schneebehangenen Berge an. Rechts von uns geht die Sonne auf und links strahlen die Gebirge immer deutlicher. Imposant.IMG_6868 IMG_6856

Blick auf Annapurna_geklautAber, Kerstin hat es voll erwischt. Die Erkältung schlägt mit Halsschmerzen zu. Nur kurz frühstücken und dann wieder ab ins Bett. Alles was die Medikamententasche hergibt plus dicker Schal plus Schlafsack bis an die Nase. Schlafen hilft.

Ich beschäftige mich derweil intensiv mit dem Blog und hole ein paar Tage auf.

Beim Mittagessen draußen in der Sonne, immer noch mit den Gebirgen im Blick, kommen wir mit Jampa wieder ins Gespräch. Man braucht eben immer ein paar Tage, bis man akzeptiert wird und die ersten Kontakte knüpfen kann.

Am Nachmittag fällt Kerstin die Decke auf den Kopf und braucht einen Spaziergang. Wir machen uns auf den Weg Richtung Bungee-Anlage und gehen auf der Hochebene an der Kante lang und schauen in der Schlucht den Tieren beim Grasen zu. Als wir ein schönen Plätzchen gefunden haben, verweilen wir auf einem Stein und schauen in die grünen Hänge und lassen die Seele baumeln. Auf dem Rückweg kommen wir an ein paar stolzen Hähnen vorbei. Gegrilltes Hähnchen könnte ich auch mal wieder essen 😉IMG_4183

Zurück vom kleinen Spaziergang sitzen wir noch auf dem Platz vor dem Tempel und schauen den Mönchen beim Debattieren zu. Ein Mönch sitzt auf dem Boden während der andere Mönch gestenreich argumentiert. Um seinen Argumenten besonderen Ausdruck zu verleiten und seinen Gegenüber aufzufordern, Stellung zu nehmen, holt der Mönch schwungvoll aus und klatscht in die Hände. Schönes kleines Schauspiel.IMG_4193

IMG_6878Abends im Bett fragen wir noch einmal eMails und Facebook ab. Prakriti hat Kerstin über Facebook geschrieben und neue Fotos von neuen Taschen geschickt. Super, dass es weitergeht. Außerdem schreibt mein Bruder, dass er immer gerne sich eine kleine Auszeit nimmt und unseren Blog liest. Über Feedback zu unserem Blog freuen wir uns natürlich besonders.

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Vom Filmstar zum Affentheater

Irgendwie schlafe ich die Nacht nicht gut. Liege über eine Stunde wach im Bett und vertreibe mir die Zeit mit Nachrichten lesen auf dem Handy. Dabei finde ich einen aktuellen Artikel im Stern über unseren Mr. Lobsang aus dem Kloster.

Den Morgen beginnen wir wieder mit der Zeremonie. Heute ist noch mehr los als gestern, denn es ist ein ganzer Schwung Nachwuchs-Mönche mit dabei. Und Schwung ist der richtige Ausdruck. Wenn ich gestern bereits Schwierigkeiten mit der Disziplin hatte, so ist das hier heute eher ein Hühnerstall. Aber ich habe ja gestern gelernt, dass das kein Problem ist und alle damit umgehen können. Aber anscheinend geht es auch dem Zeremonienmeister ein wenig auf die Nerven und nach und nach werden die Kleinen darauf hingewiesen gerade zu sitzen, nicht einzuschlafen und nicht mit dem Nachbarn zu kabbeln.

Nach dem Frühstück geht Kerstin ein Runde spazieren und ich suche mir ein Plätzchen, um die fehlenden Beiträge im Blog zu schreiben und die Fotos passgerecht zu gestalten. Kaum das ich einen schönen Platz mit Blick und Sonne im Rücken gefunden habe, bekomme ich Besuch von einem Mönch-Studenten namens Jampa Dakhpa. Jampa interessiert sich für meine Kamera und so unterhalten wir uns über seine und meine Leidenschaft zu fotografieren. Nach und nach erfahre ich, dass Jampa viele Aufgaben im Kloster hat, denn er ist für die Butter-Öl-Lampen verantwortlich und organisiert den kleinen Kiosk im Hof. Das Interessanteste kommt aber noch. Anfang des Jahres hat er an einem Filmprojekt teilgenommen, wo ein englischer Filmemacher ihn und einen weiteren Mönch auf ihrem Weg zurück in die Heimat nach Mustang gefilmt hat. Inzwischen gibt es eine Kickstarter-Kampagne für die Realisierung des Films und so schauen wir uns gemeinsam den Trailer auf dem Laptop an. Er ist zwar nicht mit dem Titel des Films und der Stimme des Sprechers zufrieden, aber ein wenig Stolz kann man ihm schon ansehen. Wenn es einen nächsten Film geben sollte, dann möge der aber mehr Action haben, denn in diesem ging es ihm zu einfach zu. Vielleicht habe ich gerade mit einem künftigen Filmstar gesprochen 😉IMG_6795 IMG_6804

Nach dem Mittagessen gibt es wieder einen kurzen Mittagsschlaf. In dem Moment wo Kerstin aufwacht, schreit sie plötzlich laut auf. Im offenen Fenster sitzt ein Affe und ist gerade dabei ins Zimmer zu kommen. Verschreckt zieht er von dannen, ist aber in 10 Sekunden schon wieder da und ich verscheuche ihn mit einem gezielten Kissenwurf. Raus aus dem Bett und ordentlich Krawall machend, stehe ich auf dem Balkon, um gleich mehrere zu verscheuchen. Plötzlich ruft Kerstin, „Da ist ein Affe im Bad!“. Ich schlage gegen die Tür, um ihn aus dem Bad zu jagen, öffne vorsichtig die Tür und sehe das Chaos. Außer die Feucht-Klopapiertücher hat der Affe zum Glück nichts auseinander genommen, und ich fange an das komplette Bad zu desinfizieren und abzuwischen. Kerstin, immer noch zusammengekauert auf dem Bett sitzend, ruft plötzlich wieder was. Ich, aufgeschreckt, springe aus dem Bad und haue mir erstmal den Kopf an der max. 1,60m hohen Tür und sehe nur, wie zwei Affen vorm Fenster auf unseren Stühlen sitzen und ins Zimmer gaffen. Zwei Affen schauen rein und wir beiden schauen raus. Bin ich denn im Zoo?IMG_4169

Doch das Affentheater nimmt heute kein Ende. Eine Zeit später, nachdem ich auch die Stühle desinfiziert habe, taucht wieder einer von unseren neuen Freunden auf und stellt sich außen auf die Fensterbank und schaut rein – und holt sich einen runter. Jetzt ist aber Schluss mit lustig! Unten auf dem Hof versucht ein Besucher einem Affen seinen Schuh wieder abzunehmen, doch dann fällt der Schuh den Abhang hinunter. Wir stellen inzwischen fest, dass unser Handtuch vom Kloster nicht mehr da ist. Wahrscheinlich liegt es neben dem Schuh irgendwo im Steilhang zum Fluss.

Der große Trek beginnt: Pokhara

Um 6:20 Uhr ist Abfahrt von Gokuls Haus. Alle Taschen sind gepackt und Krishna hilft uns beim Tragen zum Auto. Nawar bringt uns mit einem Kleinbus zum inoffiziellen Touri-Bus-Bahnhof, sprich alle Busse stehen in Reihe auf einer Hauptverkehrsstraße. Spätestens um 7 Uhr müssen alle Busse abgefahren sein, damit die Straße für den Tagesverkehr wieder frei ist. Nawar erkundet, welchen der vielen Busse wir nehmen und wir verstauen unsere Sachen. Zwei große und zwei kleine Rucksäcke plus zwei Schlafsäcke plus zwei Paar Wanderschuhe plus einen Wäschesack von Swanhild, die bereits im Kloster ist und ersteinmal dort bleiben möchte. Schnell noch einen Milchtee am Straßenrand und ein paar Bananen und los geht die Reise zu Dritt, denn Nawar kommt mit, wahrscheinlich, damit wir uns nicht verlaufen. Offiziell besucht Nawar die Projekte in Pokhara, aber er freut sich auch mal über eine kleine Auszeit von Kathmandu und von der ständigen Verfügbarkeit.IMG_4141 IMG_4142 Laut Google Maps benötigen wir 4:15 h von Kathmandu nach Pokhara, aber anscheinend ist Google hier noch nicht wirklich langgefahren. Nach 8h und drei Stopps kommen wir ein wenig durchgeschüttelt in Pokhara an. Die Haltestellen unterwegs wurden von Mal zu Mal komfortabler, an der letzten Haltestelle gab es sogar besten Cappuccino zu kaufen. Zum Glück sind wir mit einem „Tourist only“-Bus gefahren, der zwar etwas langsamer aber damit auch viel sicherer durch die Serpentinen gefahren ist. Immer wieder überholten uns mit teils waghalsigen Überholmanöver die Einheimischen-Busse.IMG_4148 IMG_4154 IMG_4157

Im letzten Drittel stiegen bereits einige Passagiere aus, denn hier begann das Fluss-Rafting-Gebiet.

In Pokhara angekommen besorgte uns Nawar ein Taxi und es ging mit unseren 9 Sachen ins Hotel Trek-o-Tel in Lakeside. Wir können sofort merken, dass es hier ein wenig beschaulicher zugeht, als in Kathmandu. Viel weniger Verkehr und viel bessere Luft. Und ein See vor der Tür. Es ist zwar gerade ein wenig diesig, aber irgendwie erinnert es ein wenig an den Edersee 😉IMG_6604

Schnell eingecheckt für eine Nacht, denn morgen geht es ja schon weiter ins Kloster Pema Ts’al Sakya Monastic Institute nördlich von Pokhara. Nach einer kleinen Pause zeigt uns Nawar den Ort, der eigentlich nur aus einer Einkaufsstraße und einer Seefront besteht. Allein die Schilder „Fresh Fish from Lake grilled“ lassen uns aufhorchen und Dhal Bhaat vergessen. Am Seeufer, wo man Boote ausleihen kann, setzen wir uns auf die Steine und geniessen die Aussicht. Amüsiert schauen wir den Menschen zu, die sehr unbeholfen in die Boote steigen und sich rudern lassen, denn wir erfahren, dass die meisten nicht schwimmen und nicht rudern können. Auch Nawar nicht. Dafür kann er eine Ziege schlachten. Auch hier sieht man die unterschiedliche Entwicklungsstufe der Gesellschaften.IMG_6603 IMG_6615

Genug philosophiert, es wird dunkel und der Magen meldet sich. Nawar lädt uns auf die Seeblick-Terrasse des Moonlight-Hotels zum Abendessen ein und wir geniessen den gegrillten Fisch. Unterwegs sehen wir noch zwei Geschäfte von Hilfsprojekten, die wir uns auf jeden Fall morgen vor Abfahrt noch anschauen müssen. Marktrecherche geht schließlich immer vor.

Schulunterricht auch für Oliver

Oliver: Nachdem ich mich gestern erfolgreich um eine Sprach-Unterrichtsstunde gedrückt habe, ließ ich heute die 6 Uhr morgendliche Yoga-Unterrichtsstunde ausfallen. Da das eine Einzelstund ist, gab es auch keine großen Widerworte. Aber als ich nach dem Frühstück gegen 9 Uhr bei Gokul im Büro sitze und mir die Metapläne von Kerstin und den beiden anschaue, klingelt das Telefon. Gokul teilt mir mit, dass ich beim Sprachunterricht im Karmalaya-Haus erwartet werde. Also schnell Schuhe an und einen Guide finden, der mich ins Haus bringt. Krishna ist der Auserwählte und wenige Minuten später sitze ich in einem Klassenraum mit Nawar. Der Sprachunterreicht beginnt mit einer Geschichts- und Erdkundestunde und wechselt dann in ein Stakkato von Wörtern in Nepalesischer Sprache. Natürlich lerne ich auch den Standardsatz, den man immer in der ersten Stunde lernt: Mero naam Oliver ho.

Als Nawar damit anfängt alle Gemüsesorten aufzuzählen, bitte ich ihn um Übersetzung von Vokablen, die mich mehr interessieren, wie Marktplatz=bazaar, Verkäufer=byapari oder einkaufen=kinmel.

Kerstin: Während Oliver im Sprachkurs ist, sitze ich mal wieder mit Prakriti zusammen und wir überlegen, wie es mit der Taschenproduktion jetzt weitergehen soll. Wir sind beide ziemlich frustriert, da es so schwer ist, die Shakti-Milan Damen ans Arbeiten zu bekommen. Der Anfangs-Enthusiasmus hat schnell nachgelassen und mittlerweile geht nur noch die Häkeldame zum Training. Die Taschenproduktion liegt brach, seit Rishu keine Zeit mehr hat. Wir sind immer noch auf der Suche nach einer Nachfolgerin, aber das ist eine Suche mit Bedingungen. Wir suchen einen Nähprofi, der zudem noch aus dem Shakti-Milan Umfeld kommt und am Besten noch in einer persönlichen Notlage ist. Damit wird es echt schwierig.

Gestern waren wir zum Gespräch mit Goma und einer neuen Trainerin in der Shakti-Milan Zentrale verabredet. Die Trainerin kam einfach nicht und auch Goma war viel oberflächlicher als noch ein paar Wochen zuvor. Wahrscheinlich gehen ihr auch die Ideen aus. Prakriti und ich würden gerne die Zielgruppe erweitern und neben HIV infizierten Frauen auch andere Frauen in Notlagen ansprechen. Bei der Frage nach dem Trainer würden wir sogar einen weiblichen Vollprofi engagieren, ungeachtet persönlicher Notlagen oder nicht.

Aus Erfahrung weiß ich, dass man Menschen nicht wirklich extern motivieren kann. Ein Interesse und Engagement in unserem Projekt muss von den Damen selber ausgehen. Wenn das Business einmal am fliegen ist und wir erste Kunden haben und Löhne zahlen können, dann ist es sicherlich leichter das Vertrauen und Interesse an einer Mitarbeit zu gewinnen. So lange wir aber noch in der Krabbelphase sind, brauchen wir Damen, die aus eigenem Antrieb motiviert sind und die freiwillig und ohne Anschubsen und mit Begeisterung unsere Taschen nähen. Solche Frauen gibt es. Aber vielleicht nicht unbedingt im Krisenzentrum, denn dort bekommt man Unterkunft und Verpflegung auch ohne Gegenleistung.

Bei unserem Treffen mit Shakti Milan verstehen wir jetzt auch zum ersten Mal warum die Damen so sehr darauf fokussiert sind, nur jemanden aus ihrem Netzwerk zu involvieren. Bei jedem Außenseiter gehen sie die Gefahr ein, dass ihre Erkrankung öffentlich wird, dass die Nachbarschaft erfährt, dass in dem Mietshaus HIV infizierte Frauen wohnen (was wahrscheinlich zur Kündigung des Vertrages führen würde). Und die Nepalesische Gesellschaft ist grausam diskriminierend. Die Mehrheit der Nepalesen denkt, HIV überträgt sich schon durchs Anschauen eines Infizierten. Dementsprechend werden HIV infizierte aufs Schärfste verurteilt und geächtet. Da alle Frauen bereits diese Erfahrung gemacht haben, ist es nicht verwunderlich, dass sie ihre Infizierung nicht in der Öffentlichkeit publik machen möchten.

Das ist Stoff zum Nachdenken. Insbesondere, da wir die Geschichte der Betterplace Kampagne und der Taschen-Label auf das Netzwerk HIV infizierter Frauen aufgebaut haben. Warum sie uns das nicht eher gesagt haben? Keine Ahnung. Nepalesische Kultur? Vielleicht haben sie auch nicht geglaubt, dass wir jemals so weit mit dem Projekt kommen werden? Hier wird eben auch nicht wirklich vorausschauend gedacht und Problemen stellt man sich erst genau dann, wenn man auf sie trifft, auch wenn sie sich schon von Weitem am Horizont abzeichnen. Vielleicht war es für die HIV Ladies auch einfach ein No Brainer (also ganz klar), nur für Außenstehende wir Prakriti und mich eine Überraschung.

Praktiti und ich müssen auf jeden Fall erst mal darüber nachdenken, was wir als nächstes tun und ob es ggf. sinnvoller ist das Ganze unter einem anderen Namen und langfristig auch unter einer anderen Organisation laufen zu lassen. Damit wären wir unabhängiger von Shakti Milan und könnten auch andere Frauen in Notlagen einbinden, was wir ja gerne tun würden.

Auf jeden Fall beschließen wir erst mal ein bisschen vom Gas zu gehen und auf die Reaktion von Shakti Milan zu warten. Immerhin hat Goma versprochen den Kontakt mit der Trainerin weiter zu verfolgen und auch die Damen weiterhin zu aktivieren. Dann hoffen wir mal, dass das Pferd noch nicht ganz tot ist ;-).

Wie sagt Gokul immer so schön: Wir müssen uns täglich bemühen unser Bestes zu tun aber wir dürfen nichts erwarten. Manchmal klappt’s, manchmal auch nicht. Aber auch ein Feuerwerk an Aktionismus und guten Taten kann nicht sicherstellen, dass die gewollten Konsequenzen auch eintreten. Ja, ja… so was sagen die Yogis auch. Wäre aber trotzdem schön gewesen…;-).

Oliver: Touri-Programm zweiter Tag. Heute bringt Navar mich an den wohl wichtigsten Platz für Hindus in Kathmandu. Zusammen mit Kerstin besuchen wir Pashupati Mandir und Pashupatinath. In den Tempel kommen wir als Nicht-Hindus nicht hinein, können aber die Rückansicht des goldenen Kalbes sehen sowie die silbernen Tore. IMG_6476

Daneben besuchen wir kurz das erste Altersheim Nepals, wo die Alten in einer Reihe im Innenhof sitzen und schauen, wie die Touristen sie anschauen. Direkt neben dem Altersheim ist die heilige Verbrennungsstätte direkt am Fluß Bagmati, der in den heiligen Fluß Ganges fließt. Das bizarreste am heutigen Szenario ist nicht, dass die Alten direkt neben dem Krematorium leben und rechtzeitg anfangen Holz für die Bestattung zu sammeln, sondern die Szenen, die sich im „VIP-Teil“ des Krematoriums abspielen. Bestaunt durch dutzende Zuschauer wird ein fast toter Mensch aufgebahrt mit den Füßen im Bagmati auf die Treppen gelegt. Bevor der Mensch in wenigen Stunden verstorben sein wird, sollen die Füße vom heiligen Wasser umspüllt sein und der Fast-Tote das heilige Wasser trinken, welches die Angehörigen in den Mund tröpfeln (was das Sterben bei der Wasserqualität sicherlich eher beschleunigt).IMG_6484IMG_6485 IMG_6494 IMG_6497Nach dem wichtigsten Tempel der Hindus geht es nun zum wichtigsten Tempel der Buddhisten, den Buddha Stupa. Dieser Tempel ist sicherlich auch das Wahrzeichen Nepal, mit den Augen in allen Himmelsrichtungen. Diese Darstellung findet man oft in Kathmandu aber nur einmal in dieser Größe. Umbaut von Häusern mit Shops und Restaurant, kann man die Stupa nur von außen, natürlich immer im Uhrzeigersinn, umgehen und nicht hinein. Wir betrachten uns das imposante Bauwerk von der Dachterrasse eines Restaurants und geniessen die einmalige Atmosphäre und ich kann auch das erste Mal Mo-Mos (Nepalesische Maultaschen, sehr zu empfehlen) probieren.IMG_6503 IMG_6506 IMG_6516 IMG_6528Abends frage ich Gokul, ob ich auch mit ins Shakti Milan Haus dürfe. Außer Gokul haben dort keine Männer Zutritt. Doch als Ehemann von Kerstin sieht er kein Problem und wird der Leiterin Goma mitteilen, dass ich die nächsten Tage auch ins Haus kommen werde.

Mein erster Tag in Nepal

Gut geschlafen und soviel geträumt, wie noch nie. So beginnt mein erster Tag in Nepal. An die Geräuschkulisse muss ich mich erst noch gewöhnen. Hunde, Geräusche im Haus, wenn der Baba (Vater von Gokul) um 4 Uhr bereits aufsteht und insbesondere die Reinigungsrituale der Nepali. Durch starkes Würgen und Schnäuzen wird jeglicher Kanal des Menschen gereinigt.

Mein erstes Frühstück besteht aus Pancakes von Pankriti und Müsli von Sandra sowie dem Milchtee. Ich bin zufrieden 😉

Am Nachmittag gehe ich mit Maria runter ins Child Care Center von Gokuls Organisation Access. Hier können unterprivilegierte berufstätige Mütter ihre Kinder tagsüber abgeben, also eine Art Hort bis Vor-Schulkindergarten. Die Kinder werden betreut von Volontären wie Maria und von einheimischen Lehrerinnen. Das Essen bringen die Kinder selber mit. Natürlich hatte ich mir in Berlin Gedanken gemacht, was man mitbringen kann, was auch reisetauglich ist und den Kindern Freude bereiten würde. Dabei habe ich die Zaubertafeln wiederentdeckt und davon bringe ich zwei mit in das Child Care Center. Nach erster kurzer Schüchternheit war es aber interessanter an dem großen weissen Mann anzuklammern als die Tafeln zu inspizieren. Aber Kinder sind natürlich neugierig und so wurde der Schieber entdeckt und immer hin und her geschoben. Die Tafeln gingen in den Besitz der Kinder über. Danach hat Maria mir noch die Vorschulklasse gezeigt. Brav an Tischen saßen 8 Jungen und Mädchen und schrieben in ihre Hefte. Im Flur ist an der Wand eine große Malerei über Hygiene mit Hände waschen etc. Selbst in so kleinen Räumlichkeiten werden wichtige Grundregeln für ein gesünderes Leben vermittelt.

DSC02715 DSC02712 IMG_4114Nachmittags folgt dann das Touri-Programm. Da ich aktuell der einzige Neue im Karmalaya-Programm bin, soll auch dies eine Einzelführung werden. Zum Glück schließen sich Kerstin und Maria an und so ziehen wir mit Nawar als Guide los. Wir besuchen die selben Sehenswürdigkeiten wie Kerstin damals (Swayambhu, der Affentempel).

IMG_6385IMG_6397Zum ersten (und nicht letzten) Mal erleben wir die Freundlichkeit und Neugierde der Kinder uns gegenüber. Kurz nachdem wir am Wunschbrunnen versucht haben, mit einer Münze in einen Trog zu treffen, damit der Wunsch in Erfüllung geht (was leider nicht geklappt hat, aber auch egal ist, denn man kann an vielen Orten seinen Wunsch in Erfüllung bringen), kommt uns eine Schulklasse in grüner Schuluniform entgegen. Ein kleine Gruppe Mädchen geht kichernd an mir vorbei und ich vernehme noch ein kleines „Hello“. Ich drehe mich um und erwidere das Hello und schon sprudelt es aus den Mündern der Schulkinder. Einstudierter erster Satz ist immer „Where do you come from?“ und ich antworte natürlich brav. Eine kleine Konversion auf englisch beginnt und ich bin überrascht, wie gut die Kinder englisch sprechen und verstehen. Da wollen die Jungs natürlich nicht nachstehen und so wurden auch Maria und Kerstin direkt ausgefragt.

IMG_6409 IMG_4120IMG_6415Weiter geht es hoch auf den Tempelberg. Hier möchte Kerstin gerne ein Bild kaufen, dass Sie bereits beim ersten Rundgang gesehen hat und eine fast meditative Wirkung entfalten kann. Leider liegen wir in den Preisvorstellungen viel zu weit auseinander und ich erziele mit meinem Verhandlungsversuch eher das Gegenteil von dem, was ich erreichen wollte. Kerstin klärt mich auf, dass man in Nepal darauf achten muss, dass sein Gegenüber nicht das Gesicht verliert und daher sehr behutsam handeln muss. Ich spüre auch sogleich, dass ich den Bogen überspannt habe und um die Situation zu entschärfen, gehe ich nach draußen und überlasse das Geschäft den Damen. Kerstin kommt leider ohne Bild, dafür hat Maria zwei Mandalas gekauft. Von diesem Tempel, hoch oben über Kathmandu, haben wir einen tollen Blick über die Stadt bis hin zu den Gebirgen.

IMG_6428 IMG_6434IMG_6442IMG_6420Um von Ort zu Ort zu kommen benutzen wir für mich zum ersten Mal ein Tuk-tuk, welches hier mehr Leuten Platz bietet als in Kambodscha. Platz ist aber relativ, denn ich muss mich die ganze Fahrt ducken, damit ich bei den diversen Schlaglöchern nicht mit dem Kopf ans Blechdach schlage.

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IMG_6465Meine Erkältung ist nun unweigerlich da und ich versuche meinen Körper immer wieder innerlich mitzuteilen, dass dieser die Erkältung selber regeln soll. Ich habe das Gefühl er bemüht sich.

Abends sitzen Kerstin und ich alleine am Tisch, denn Maria und Mirjam gönnen sich eine Pizza in Thamel. Somit setzen sich Gokul und Pakriti zu uns und wir sitzen nach dem Essen in der kleinen Küche und diskutieren lange miteinander. Insbesondere die Beweggründe von Gokul für sein Projekt und seinem heutigen Einsatz, ein Mädchen aus einer Familie zu retten, wo sie seit vielen Jahren als Hausangestellte gehalten wird. Es ist eine besondere Herausforderung alle Beteiligten („Arbeitgeber“, Lehrer, Polizei, Mitschüler und insbesondere das betroffene Kind) so zu integrieren oder eben nichts merken zu lassen, dass die Befreiung glückt.

Wenn einer eine Reise tut

Jetzt geht es auch bei mir los. Ich sitze nun in TXL am Gate und warte darauf, dass mein Flug startet. Über Istanbul direkt nach Kathmandu.
Die zwei Gepäckstücke, vollgepackt mit Technik, Spielzeug und Süßigkeiten sind auch mit leichtem Übergepäck eingecheckt und hoffentlich schon auf dem Weg in den Flieger.
Der Tag fing um 5:00 Uhr an mit packen. Es war mal wieder keine Zeit dies in Ruhe gestern zu machen. Bin gespannt, was ich vergessen habe. Aber die Liste von Kerstin habe ich brav abgearbeitet. Um 10:00 noch den Rest einkaufen, um 11:00 Uhr noch im Globetrotter Tropeninstitut gegen Typhus impfen, Taxi erstellen und los.
Zwischendurch gab es noch eine freudige Nachricht unsrer Pressesprecherin, meiner Mutter. Heute ist ein großer Artikel in der Rheinischen Post zu Kerstin und mir erschienen. Gute Pressearbeit ist Gold wert. Danke.

Natürlich habe ich mich auch auf die Reise vorbereitet. Gerne wollte ich zusätzlich zu Kerstins Berichten auch noch mehr erfahren. Also habe ich mich auf den Weg gemacht und die Fachliteratur durchstöbert.
Leider musste ich feststellen, dass Asterix und Obelix noch nicht in Nepal waren, aber der gute Tintin hat das Land bereits bereist.
Mit diesem Insiderwissen kann nun nichts mehr schief gehen.

Morgen früh gehen 7:00 Uhr Ortszeit lande ich in Kathmandu und kann nach vielen Wochen Kerstin endlich wieder in die Arme nehmen.

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Bei Frust hilft Schokolade

Schon früh am Morgen treffen wir uns zur „Social-Experience-Tour-Flyer-Verteilen-Lage-Besprechung“. Es ist wichtig, die Zielgruppe genau zu identifizieren, wir haben schließlich nur ein ganz paar Flyer zu verteilen, da muss alles sitzen ;-). Und wenn wir der Familie Subedi unsympathische Leute ins Haus schleppen, dann machen wir die Tour wahrscheinlich nur 1 Mal.

Dann machen Franzi, Mirjam, Maria und ich uns gemeinsam auf zum Farmersmarket. Auf dem Weg dahin geben wir noch in einer Wäscherei unsere Wäsche ab und nutzen die Gelegenheit schon mal zu Üben. Kühn haue ich die nächstbesten Touris mit Stadtplan an, die einigermaßen nach unserer Zielgruppe aussehen. Ja toll finden sie die Idee, nur leider sind sie nächsten Samstag schon auf irgendeiner Wanderung. Tja, wäre ja auch zu schön gewesen.

Unterwegs machen wir weitere potenzielle Teilnehmer aus. Meine 3 Mitstreiterinnen haben sofort verstanden, welche Zielgruppe ich im Auge habe. Nur leider trauen sie sich nicht die Leute anzusprechen. Irgendwie bin ich die einzige, die Kaltakquise macht, was auch nicht unbedingt meine Lieblingsbeschäftigung ist.

Aber unsere Hoffnungen liegen auf dem Farmersmarket. Dort können wir am Stand von Sandra stehen und kommen so bequem mit den Touris ins Gespräch. Nur leider haben wir nicht mit dem Lichterfest kalkuliert. Wir erleben eine herbe Überraschung. Auf dem sonst so quirligen Farmersmarket ist absolut tote Hose. Es sind nur 1/3 der Stände aufgebaut und lediglich ein harter Kern von Nepalerfahrenen Expats trifft sich heute dort. Das Restaurant ist zu, so dass wir unsere Enttäuschung noch nicht einmal mit einem ordentlichen Kaffee herunterspülen können. Sandra ist auch nicht da. So ein Mist. Also hier finden wir heute keine Leute für unsere Tour.

Wir ziehen weiter nach Thamel, ins Herz der Touriszene. Aber auch hier haben heute nur vereinzelt Geschäft auf und es ist ungewohnt leer und ruhig. Mirjam und Franzi verabschieden sich. Gemeinsam mit Maria verbringe ich den Nachmittag zwischen Thamel und der Altstadt. Wir lassen uns treiben, trinken Kaffee und essen Schokoladenkuchen und shoppen uns so durch die paar offenen Läden. Bei jeder Gelegenheit (in der Schlange im Cafe, im Trekkingshop, im Esoterischen Buchladen, beim Warten auf der Strasse, usw.) spreche ich Leute an und versuche sie für die Tour zu gewinnen. Leider alles ohne Erfolg. Generell findet das jeder toll, aber praktisch ist keiner der Angesprochenen am nächsten Samstag in Kathmandu. Das läuft nicht gut!

Am späten Nachmittag sind wir wieder zu Hause, nachdem wir noch das Mini-Taj-Mahal besucht haben, dass nur 1x im Jahr geöffnet ist und das nämlich heute, zum Bruder und Schwester-Tag.

Zu Hause gibt es dann wieder eine tolle Tika-Zeremonie. Gokul und Prakriti sitzen auf dem Boden im Schlafzimmer der Eltern um von der Schwester Segnungen zu empfangen. Die andere Schwester liegt im gleichen Zimmer im Bett und schläft (keine Ahnung warum). Wir Volontäre drängen uns zu viert auf dem 2-Sitzer zusammen. Ama sitzt auch auf dem Boden und fotografiert alles (dass sie die Köpfe auf den Fotos immer abschneidet scheint sie nicht zu stören). Im Rücken von Gokul und Prakriti läuft der Fernseher (das Taj-Mahal, dass wir noch vor kurzem besucht haben, ist in den Nachrichten zu sehen). Auf dem Flur steht der Opa mit einem Baby im Arm. Saisna, die Nichte, drängt sich auch noch ganz aufgeregt in das winzige Zimmer. Vor Gokul und Prakriti türmen sich die Geschenke der Schwester an ihren Bruder: ein Tetra Pack mit Apfelsaft, Doughnuts, Bananen, Äpfel, Bonbons, Joghurt und auch ein Täfelchen Schokolade. Dann wird Wasser in einem Kreis um die beiden getropft. Ich glaube für ein langes Leben, bin mir aber nicht mehr sicher. Als nächstes wird Öl im Kreis um die beiden vergossen. Maria und ich gucken uns kurz an und haben den gleichen Gedanken: „das geht doch nie wieder aus dem Teppich raus…“ aber anscheinend sind wir die einzigen, die so denken. Das Ganze nimmt seinen Lauf und dann bekommt jeder noch einen gelben Strich mit 7 verschieden-farbigen Punkten auf die Stirn gemalt. Dafür wurde ein Spielkarte als Schablone vorbereitet. Auch wir waren vorbereitet und haben schon mal die Haare aus der Stirn geklammert. Sind ja schließlich schon Tika-Profis mittlerweile ;-).

IMG_3919 IMG_3918Am Abend merke ich, dass mein letzter Besuch am Geldautomaten eine unerfreuliche Wendung nimmt. Ich hatte vor ein paar Tagen versucht das Maximum abzuheben, nur leider ist das Geld nicht rausgekommen. Jetzt sehe ich auf dem Konto, dass die Summe aber dem Konto belastet wurde. So ein Mist. Das passt ja zum Tag. Keinen Einzigen Kunden für die Tour aufgetrieben und dann noch Ärger mit der Bank. Ein Fall für Oliver. Während ich ihm übelgelaunt alle Infos nach Berlin maile, kommt Krishna von seiner Wochenendtour aus dem Dorf zurück und schnurstracks zu uns ins Zimmer. Weiss nicht, ob ich gerade die Nerven dafür habe. Aber er ist ein lieber Kerl und hat meine neue Kurta im Schlepptau. Und auch eine Tasche, die sein Bruder für uns entworfen hat. Voller freudiger Erwartung präsentiert er seine Mitbringsel.

Als erstes sehe ich den Ölfleck schön zentral auf dem Schienbein der Hose der Kurta. Oh mann. Warum haben sie den Fleck nicht wenigstens an einer weniger sichtbaren Stelle verarbeitet? Nachdem ich dann alles komplett anhabe, mit gelbem Hemd und lila Glitzer-Schal fällt der Fleck dann aber auch nicht mehr auf. Hmm. Speziell. Aber irgendwie auch nicht schlecht. Dann kommt die zweite Hose zum Vorschein. Ich hatte eine ganz schlichte Baumwollhose bestellt (und zwar genauso eine, wie seine Schwester damals anhatte). Und was sehe ich, eine grellbunt gemusterte, rot-gelbe Clownshose. Sie haben es gut gemeint und einen besonderen Stoff extra für mich auf dem Markt gekauft. Ich glaube, das Entsetzen ist mir ins Gesicht geschrieben. Aber mal abgesehen von dem wilden Muster passt die Hose gut und ist sehr bequem.

IMG_3917Stolz zeigt Krishna mir dann die Reistasche des Designer-Bruders. Aha. Interessant. Nach Design sieht das allerdings weniger aus. Eher nach dreckigem Reissack- irgendwie billig zusammengeschustert. Ich bin enttäuscht. Schließlich hatte ich so große Hoffnungen in die Näh-Familie und den Designer-Bruder gesetzt. Jetzt, nachdem ich die Arbeitsproben in den Händen halte, bin ich mir nicht mehr so sicher, ob die uns wirklich weiterbringen können.

Krishna hat auch jede Menge neue Ideen mitgebracht. Z.B. könne man auch Hosen anfertigen und an die Touristen verkaufen. Ja. Klar. Aber diese Hosen bekommt man hier für weniger als 5 Euro an jeder Ecke. Das ist absolut nichts Besonderes. Wie wollen wir denn damit Geld verdienen? Und außerdem ist es schon noch mal was anderes Oberbekleidung zu nähen, als Taschen. Ich glaube Krishna erkennt schnell, dass heute nicht mein bester Tag ist und behält seine restlichen Ideen erst mal für sich.

Nach dem Essen gehen Mirjam und Maria noch mal zum Karmalaya Haus. Ich bleibe lieber zu Hause, denn mit meiner „alles Scheisse heute und keiner versteht mich“ Laune bin ich kein guter Gesellschafter. Stattdessen suche ich mir eine DVD aus und mache es mir vor dem riesigen 3D Fernseher gemütlich. Aber auch bei der Auswahl der DVD greife ich daneben. Nach einer halben Stunde gebe ich auf und gehe ins Bett.