Waschtag und Farming

Wir hatten gestern schon gehört, dass bereits am frühen Morgen Kinder-Gottesdienst ist. Heute ist Samstag laut Kalender, aber eher sowas wie Sonntag hier in Nepal. Keine Schule, aber Gottesdienst. Nach dem Frühstück höre ich die Kinder in der Kirche laut singen und beschließe kurzfristig doch hinzugehen. Auf der Kanzel steht ein Jugendlicher Prediger und ein Schlagzeug. Wie sich das für Nepal gehört, wird gerne und insbesondere laut gesungen, begleitet vom Schlagzeug. Die Kinder sitzen getrennt nach Geschlecht links Mädels und rechts Jungs auf dem Boden und klatschen und singen. Im Gegensatz zum späteren „großen“ Gottesdienst, sind bei den Kinder mehr Jungs als Mädels anwesend.

IMG_8113Um 9:30 Uhr soll dann der große Gottesdienst beginnen. Wir sehen bereits, dass sich einige Dorfmitglieder extra schick machen, wie es sich für einen Gottesdienst gehört. Ich schmeiß mich auch noch schnell in eine saubere Jeans und Shirt und stehe pünktlich vor der Kirche. Leider ziemlich alleine. Hier ist sie wieder, die Nepali-Zeit. Der Pastor lässt schon mal von drei jungen Frauen ein Lied anstimmen und hier auch mit Schlagzeug-Begleitung, als Glockenersatz, damit die Gemeinde weiß, dass es losgehen kann.

Auch hier sitzen wir getrennt nach Geschlecht auf dem Boden. Der Anfang ist ganz nett mit einigen fröhlichen Liedern und zwischendurch hörte es sich auch so an, als wenn das „Vater unser“ auf Nepali gebetet wird. Alle haben eine Bibel mit Goldschnitt in einer Kladde dabei und verfolgen die entsprechenden Passagen. Plötzlich meint Sidi Everest, dass wir aufstehen müssen und uns vorstellen, als Neulinge in der Gemeinde, was wir natürlich auch brav machen. Nur der zweite Teil des Gottesdienstes war leider ganz anders. Ein anderer Pfarrer mit einem enormen Redebedarf steht nun auf der Kanzel und so bin ich dann nach 2h vorzeitig aus der Kirche gegangen, halb durchgefroren und nicht mehr auf dem Boden sitzen könnend.

IMG_8121Nach dem Gottesdienst habe ich die Möglichkeit ein paar Dorffrauen zu fotografieren. Dies hatte ich gestern beim Abendessen mit unserer Hausmutter Bishnu besprochen. Sie war auch sofort bereit, nur zierten sich leider ein paar der anderen Frauen. Aber ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit ein paar dieser starken und stolzen Ladies so Nahe ablichten zu dürfen.

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Heutiges besonderes Ereignis ist Farming. Ich habe mir gewünscht, mal mit Büffeln den Acker umzupflügen und so soll es dann auch sein. Nachdem wir den Platz des Farmers gefunden haben und wir auf den Chef warten, zeigt Sidi Everest uns schon mal als Trockenübung, wie es geht. Der Farmer bindet dann die Ochsen los und schirrt das nostalgische Geschirr auf. Los geht’s und damit die Tiere auch marschieren, muss ich so was wie „Volle Pulle“ rufen. Zur Belustigung der halben Dorfbevölkerung, die bei uns vorbeikommt, pflüge ich den Acker um. Leider gelingt es mir nicht wirklich eine grade Furche neben die andere zu setzen, aber wirklich schwer ist es nun nicht, obwohl auch dieses Gerät viel zu kurz für mich ist. Was ich kann, kann meine Frau natürlich schon lange, merkt aber schnell, dass es am einfachsten geht, wenn sie Sidi pflügen lässt und selber nur ein wenig die Ochsen streichelt. Verantwortung muss eben auch richtig verteilt sein.

IMG_8156 IMG_8180 IMG_8213 IMG_8197 IMG_8201 IMG_8229Samstag ist nicht nur freier Tag sondern auch Waschtag. Den gesamten Tag siehst Du an allen Plätzen die Menschen sich und die Wäsche waschen, egal ob groß oder klein. Dem müssen wir uns dann wohl auch beugen und so geht es wieder unter den kalten Wasserstrahl.

IMG_8244 IMG_8257 IMG_4352Frisch gewaschen können wir uns auch wieder unter die Leute wagen und gehen den blinden Lehrer Chhitij besuchen. Wir sitzen auf der schmalen Veranda und trinken süßen Tee. Klassisch leben in dem Haus noch seine Frau und seine Mutter. Wir unterhalten uns lange über seine Situation und die der blinden Kinder. Auch versuchen wir herauszufinden, warum gerade hier im Dorf die Anzahl von Erblindungen so hoch ist. Leider kennt auch er keine klare Antwort.

Als wir gehen, bemerken wir, dass Sidi, der mit uns gekommen war, nicht mehr anwesend ist. Auf dem Weg zurück zum Dorfplatz treffen wir ihn mit ein paar anderen Männern am nächsten Shop ein Schwätzchen halten. Wir stellen uns dazu und trinken noch einen Tee und merken natürlich nicht, dass ein paar leere Flachmänner unter den Füßen der Männer liegen.

Ich freue mich auf das Abendessen. Bevor wir zum blinden Lehrer gehen, kann ich noch das lebende Huhn sehen, dass später auf unserem Teller liegen wird. Gegen 18 Uhr kommt Sidi zu uns und muss uns leider mitteilen, dass unsere Hausmutter Besuch bekommen hat und somit das Huhn leider bereits gegessen ist. D.h. wieder Dal Bhat ohne ordentlich Fleisch.

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