Vorerst letzter Tag in Kathmandu

Morgens beim Frühstück fragen Gokul und Prakriti was denn unsere Planung für den Tag wäre. Och, nicht viel, antworten wir. Wir müssen noch kurz nach Thamel und die Wäsche abholen und dann abends mit Maria auf ihren Geburtstag anstoßen. Dazwischen irgendwann unsere Sachen packen, da wir ja jetzt erst mal 3 Wochen auf Reisen gehen. Also alles ganz entspannt.

Ich bin noch nicht ganz wieder im Zimmer, da kommt Prakriti und ruft mich zu sich ins „Office“. Wir müssen sprechen. Also hocken wir gemeinsam mit dem Laptop auf ihrem Bett und fangen an, die nächsten Schritte im Taschenprojekt durchzugehen. Gestern hatten wir beschlossen erst mal mit dem Fuss vom Gas zu gehen und die Shakti Milan Damen nicht permanent anzurufen und zu treiben. Wir wollten auf ihre Rückmeldung und Reaktion warten und wollten bewusst das Risiko eingehen, dass die Taschenproduktion vielleicht in dieser Konstellation, nur mit den Damen vom HIV Krisenzentrum nicht ans Fliegen kommt. Ich hatte auch schon angefangen der Tatsache ins Auge zu sehen, dass ich evtl. sogar ganz ohne Taschen nach Berlin zurückfahre und dass wir Maria ihren Vorschuss zurückzahlen müssen, da wir immer noch keinen gefunden haben, der die Damen zuverlässig anleiten und die Taschen sauber nähen kann – und der aus dem Shakti Milan Netzwerk kommt (sonst wäre es nicht so schwer).

Aber Prakriti hat wohl über Nacht der Ehrgeiz gepackt und Goma von Shakti Milan hat tatsächlich gestern noch 2 neue Kontakte aufgetan und abends zurückgerufen. Was machen wir jetzt? Rishu, die kleine Wunderwaffe hat sich bereiterklärt noch einen Tag für uns freizumachen und wir können Interviews mit den 2 neuen Ladies führen. Na dann los. Wir aktivieren auch noch Mina, die Beste aus dem Nähteam, damit sie Rishu unterstützen kann und verabreden uns für Nachmittags im Nähraum. Und dieses Mal bedeutet Nachmittags schon 12:30 Uhr und nicht wie sonst immer nach 15:00 Uhr.

Auf einmal sind wir doch etwas im Stress ;-). Schnell fahren wir mit dem Tuk-Tuk nach Thamel, holen den Wäscheberg ab, schauen bei Sandra im Sarangi Restaurant vorbei um uns zu Verabschieden, da sie in Australien sein wird, wenn wir zurück in Kathmandu sind, überlegen noch für eine Weile, wie man dem Sarangi Restaurant zum Durchbruch verhelfen könnte und flitzen dann wieder zurück nach Basundara, wo wir wohnen. In der Mo-Mo-Ria an der Ecke essen wir noch schnell ein paar köstliche vegetarische Mo-Mos (Nepalesische Maultaschen) mit scharfer Sauce, denn das Mittagessen bei Prakriti fällt ja heute aus.

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IMG_4132Dann ist es schon ganz schön spät und anstatt die Wäsche zu Hause abzuliefern, beschließen wir direkt zu Shakti-Milan zu fahren und Oliver trägt den großen Wäschesack noch ein paar weitere Kilometer. Rein in den nächsten Microbus und los geht es zum Gopi-Krishna Kino. Von da aus noch ein 15 Min Fußmarsch und wir sind endlich da. Und wir sind nicht die ersten. Nix von Nepali Zeit heute. Die erste Tasche ist bereits zugeschnitten. Respekt, meine Damen!!

Das Nähzimmer strahlt im neuen Anstrich und ich bin ganz entzückt von unserem Malerkunststück. Sieht jetzt wirklich schon viiiiiiel besser aus!

Oliver ist zum ersten Mal bei den HIV Damen. Das ist etwas heikel, denn die Damen haben wahrscheinlich allesamt keine guten Erfahrungen mit Männern gemacht und das Krisenzentrum ist eigentlich Männerfreie Zone (mal abgesehen von den Kindern). Aber wir hatten das vorher abgestimmt und Gokul hat sich für Olivers Besuch eingesetzt, da er ja in den letzten Wochen maßgeblich zum Taschenbusiness beigetragen hat.

Und er macht sich gleich nützlich, indem er den Blechschrank endlich aufbekommt. Der Schrank ist eine Spende, aber leider abgeschlossen und ohne Schlüssel. Nachdem die Damen allesamt erfolglos versucht haben, ihn aufzubekommen, steht er jetzt einfach ungeöffnet und ungenutzt im Nähzimmer. Und bei der Hässlichkeit kann man leider noch nicht mal von „dekorativ“ sprechen. Oliver wendet, nach erfolglosen Versuchen, irgend etwas als Dietrich zu nutzen, rohe Gewalt an, biegt die Tür danach wieder einigermaßen in Form und wir können endlich unser ganzes Nähzeugs in den Schrank räumen. Perfekt!

Ich sortiere alle Reissäcke, die wir in den letzten Wochen gesammelt haben und gemeinsam bestimmen wir, welche Motive gut für den Rucksack, welche für Taschen ohne Plastiküberzug und welche für Taschen mit Plastiküberzug geeignet sind. Wir brauchen definitiv neue Quellen für Reissäcke mit netten Motiven. Aber wir haben auch mehr verwendbare Motive, als ursprünglich gedacht. Zwischendurch versuchen Prakriti und ich noch neue Techniken aus.IMG_6556 IMG_6539

Zwischendurch geht dann das Nähgarn aus und Oliver und ich ziehen los, um neues Garn zu kaufen. In den hochspezialisierten Minishops an der Straße ist es schwierig diesen zu finden, der Nähgarn hat. Aber wir finden einen und eine nette Kundin hilft uns bei der Übersetzung. Es kann weitergehen.

IMG_6570Rishu und Mina nähen mit Vollgas. Heute soll nicht nur eine Tasche entstehen, sondern so viele wie möglich. Prakriti ist zwar total erkältet, bekommt sogar Fieber im Laufe des Nachmittages, aber sie ist eisern und wild entschlossen, Marias Auftrag zu produzieren. Es ist schon lange dunkel, als wir an diesem Tag nach Hause kommen, aber wir haben 4 neue Taschen und sind in Hochstimmung.

Wer Taschen verkaufen will, muss natürlich auch Werbung dafür machen. Das heißt, wir brauchen ein Fotoshooting. Also bittet Oliver uns drei Damen mit je einer Tasche nach draußen und das erste offizielle Foto für die Taschen wird geschossen. Es sieht so aus, als wenn es den Damen auch Spaß macht.IMG_6580

Jetzt müssen wir uns der lästigen Aufgabe stellen, die Klamotten, die ich in 7 Wochen angesammelt und im ganzen Zimmer verteilt habe auszusortieren und möglichst in einen Rucksack zu stopfen. Wir packen eine Tasche mit Geschenken fürs Blindenprojekt in Swaragau und nehmen nur ganz wenig Sachen mit nach Pokhara ins Kloster. Eine Tasche bleibt auch in Kathmandu. Bis wir das alles so auseinander gefriemelt haben, bin ich total fertig. Ich hasse Sachen packen!

Aber zur Belohnung gibt es ein sehr spätes Maria-Geburtstagsessen, Wein und Nepalesische Schwarzwälder-Kirsch-Torte (100% Zucker und nur süss!). Die ganze Familie, incl. Ama und dem Opa Baba kommen uns noch in der Volunteer-Etage besuchen. Wir essen die Torte, trinken Wein, begutachten die Taschenproduktion des Tages und erzählen uns Geschichten. So haben wir einen sehr vergnüglichen letzten Abend in Kathmandu. IMG_6593 IMG_6601 IMG_6589

Morgen um 6:20 Uhr kommt Navar uns abholen, um gemeinsam mit uns nach Pokhara zu fahren.

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