Mit Herzblut den Projektplan für die Taschenproduktion unterschrieben

Heute ist es zum ersten Mal seit ich hier bin bedeckt und kühl. Yoga auf der Dachterrasse fühlt sich erstaunlich herbstlich an. Und dann fängt es auch noch an zu regnen. So ganz außerhalb der Regenzeit. Igitt. Ich habe doch noch meine ganze Wäsche auf der Leine. Egal. Wird schon irgendwann trocknen.

Am Vormittag arbeiten Mirjam und ich an der Dokumentation für das Transitional Home für die aus Sklaverei befreiten Kinder. Wir sammeln Hintergrundinfos zu Kindersklaverei, zu Gokuls Organisation Access, die das Heim unterhält, erstellen Profile der Kinder, schreiben den Tagesablauf auf, generieren Ideen für zukünftige Volunteers, etc.

IMG_3770Unser Ziel ist es, die Arbeit in diesem Projekt für zukünftige Volunteers einfacher zu machen, damit sie einen schnellen und sanften Start haben und schnell und nachhaltig wirksam werden können. Im übertragenen Sinne mache ich also wieder eine Einführung für neue Mitarbeiter, wie schon bei Gillette, Lafarge, Teles und zuletzt bei PayPal. Irgendwie verfolgt mich dieses Thema ;-).

Am Nachmittag kommt Goma, die Leiterin der Shakti Milan Organisation für HIV infizierte Frauen zu uns in Gokuls Büro. Bevor ich am Wochenende ins Kloster verschwunden bin, hatte ich Gokul ja noch eine Projektskizze mit ausführlichen To Dos dagelassen. Gokul und ich können zwar viel lostreten, aber damit das Ganze eine Überlebenschance hat, kommt es auf Goma und ihr Team an. Sie muss die richtigen Leute auswählen, auch welche, die organisieren und die Arbeit einteilen können (wir haben ja schließlich erst mal nur 1 Nähmaschine). Sie muss die Erwartungen managen. Das Ganze kann auch nach hinten losgehen. Versprechen können wir nichts und trotzdem müssen alle engagiert und mit voller Kraft bei der Sache sein. Sie muss auch sicherstellen, dass Wissen unter den Ladies aufgebaut wird. Am Anfang können wir mit dem Design und dem Marketing helfen, aber dann müssen sie das selber fortführen. Sollten unsere Taschen der Renner werden, werden sie mit Sicherheit schnell von anderen kopiert werden (wir haben sie ja auch woanders abgeguckt). Dann brauchen wir neue Ideen und neue Designs. Und so weiter….

Wir brauchen also das volle Committment von Goma, bevor wir die Spendenaktion lostreten und die Maschine kaufen. Ich bin gespannt, wie sie auf die ganz konkreten Arbeits- und Verantwortungspakete reagiert. Es geht alles rasend schnell. Vielleicht zu schnell für Nepalesische Verhältnisse?

Als Goma kommt, wird erst mal Tee getrunken und eine Kleinigkeit gegessen. Gastfreundschaft ist oberstes Gebot. Sie hat meine Joop Strickjacke an, die wir ihr bei meinem ersten Besuch als Gastgeschenk mitgebracht haben. Steht ihr gut. Ein gutes Zeichen?

Gokul verschwendet keine Zeit und steigt direkt mit den To-Dos ein. Und zwar direkt mit denen für Goma. Unsere überspringt er. Ohjeh! Mit der Tür ins Haus. Ich unterbreche und sage, wir sollten erst mal generell über unsere Rollen sprechen und ob wir uns alle bewusst sind, was wir da lostreten, etc. Dann sollten wir uns ganz gewissenhaft fragen, ob wir das wirklich wollen, bevor wir dann mit Volldampf in die Umsetzung gehen….

Gokul und Goma blicken mich erstaunt an. Auf einmal kann Goma sogar Englisch. „Go for it“ sagt sie. Gokul erklärt, dass sie dazu schon am Wochenende telefoniert hätten und alles sei prima, wir können loslegen. Oh, jetzt bin ich etwas verdattert. Das ging ja megaschnell.

Dann packt Goma aus: Sie hat in den wenigen Tagen bereits einen Raum organisiert, ein Team von 5 Damen zusammengestellt, die erste Erfahrung beim Nähen haben, für den nächsten Tag einen Termin mit dem anderen Taschenprojekt ausgemacht um persönlich dort hinzufahren und alles zu lernen, was es zu lernen gibt und um Hilfe zu bitten. Sie hat bereits jemanden im Auge, der organisieren kann und beim Marketing helfen kann, den sie gerne engagieren möchte… WOW!!!! ich bin von den Socken. Ich war doch nur 2 Tage im Kloster.

Goma grinst mich an und besteht darauf, dass ich grüne Häckchen bei ihren To-Dos in meiner Liste mache. Gokul ist auch ganz vorne dabei, damit seine offenen Roten To-Dos auch bald grün werden. Die beiden arbeiten in Rekordgeschwindigkeit alle Punkte ab, die ich ihnen zugeteilt habe. Vorsichtig schiele ich auf meine To-Dos und beschliesse insgeheim einen Gang hochzuschalten. Ich bekomme Gänsehaut. Unser erstes eigenes Business. Im Moment sieht es so aus, als wenn es sich wirklich gut entwickelt.

Morgen ist der Termin mit den Leuten aus dem Cap Nepal Projekt. Goma, Gokul und 2 der Frauen aus dem Nähteam werden hinfahren. Ich bleibe lieber im Hintergrund und warte zu Hause. Wenn der Termin gut läuft, dann gehen wir danach die Sachen kaufen. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen und mein Herz pocht.

Beim Einkaufen muss ich unbedingt dabei sein. Hier gibt es so gut wie kein Stilbewusstsein und ich will gerne die Stoffe selber aussuchen. Mal gucken, wie wir diese Herausforderung meistern. Denn sobald ein westliches Gesicht auftaucht, steigen die Preise. Deshalb darf ich beim finalen Kauf nicht dabei sein.

Abends hat es immer noch nicht aufgehört zu regnen. Es ist kalt und ungemütlich. Krishna kommt mit dem Film „Lucy“ um die Ecke. Ganz neu in den Kinos, wo er den wohl her hat. Egal. Genau das richtige Wetter zum Fernsehgucken. Wir wollen gerade ins Wohnzimmer marschieren, da fällt der Strom wieder aus. Zum Glück hatten wir noch gar nicht angefangen zu gucken. Mitten im Film wäre es ärgerlich gewesen.

Kurz vor dem Einschlafen schickt Tanja aus Bielefeld einen tollen Schnitt für eine unserer Taschen. Perfekt! Das war ein sehr erfolgreicher Tag!

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